FEM International

Auch im internationalen Kontext erregt das Thema FEM viel Aufmerksamkeit. Der Franzose Pinel war ein Vorreiter bei dem Versuch FEM so weit wie möglich einzugrenzen und den Patienten ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

In den Niederlanden und den USA existieren heute staatlich geförderte Konzepte und Initiativen zur weitgehenden Vermeidung von FEM.(1)
In Südafrika ist die Anwendung von FEM erlaubt, unterliegt jedoch verschiedenen Regularien. Anders als in Deutschland, wo FEM grundsätzlich verboten sind, dürfen FEM dort nicht länger als „unbedingt nötig“ (2) angewandt werden, da sich der Anwender ansonsten einer Straftat schuldig macht. In Südafrika sind keine Richter in den Prozess involviert, die Entscheidung über die Anwendung liegt alleine bei dem verantwortlichen Arzt, bzw. der verantwortlichen Pflegekraft. Größtenteils werden FEM in Südafrika dann angewandt, wenn von einem psychisch kranken Menschen eine Gefahr für ihn und Dritte ausgeht und pharmazeutische FEM sowie Gesprächsversuche keine Wirkung zeigen. (3) Es wird unterschieden zwischen FEM in der Umgebung (z.B. „Seclusion Rooms“, also leeren, abgeschlossenen Räumen in denen der Betroffene sich ‚abreagieren‘ und beruhigen kann), mechanischen FEM und chemischen FEM (pharmazeutischen FEM).(4)
In Großbritannien wird mit FEM nach dem sogenannten „britischen Modell“ verfahren. Fixierungen sind dort verboten und werden weder in Psychiatrien noch in Pflegeheimen angewendet. Die einzige Form von FEM, die dort angewendet wird ist „physical restraint“ (Übersetzung: Körperliches Zurückhalten), welches bedeutet, dass die Betroffenen nicht mit mechanischen Maßnahmen fixiert werden, sondern durch die Körperkraft des gut geschulten Personals.(5)  Möglich ist diese Form dadurch, dass das Personal zum einen professionell geschult wird und zum anderen dadurch, dass der Personalschlüssel durchschnittlich etwa doppelt so hoch ist, wie der in Deutschland. Oftmals wird das körperliche Zurückhalten begleitet durch die Verabreichung von Psychopharmaka, da diese dort nicht als FEM klassifiziert werden. Generell dauert die physische Art von Fixierung selten länger als 20 Minuten.(6)
Eine Forschergruppe der Universität Graz setzt sich in regelmäßigen Abständen (einmal pro Jahr) mit FEM und ihren Folgen auseinander und erstellt dazu die Europäische Pflegequalitätserhebung, welche 2011 (7) bereits zum dritten Mal angefertigt wurde. Dazu werden Pflegeheime in Österreich, Deutschland und Holland angeschrieben und um ihre Teilnahme, welche auf freiwilliger Basis geschieht, gebeten. Die hohen Teilnehmerzahlen in Österreich implizieren ein hohes und weiterhin steigendes Interesse an FEM, ihren Folgen und Vermeidungsmöglichkeiten. In einigen Einrichtungen werden sogar Fortbildungen zu FEM anhand der von der Universität Graz durchgeführten Erhebung organisiert.(8)

  • 1 Vgl.: Steinert, T., 2011
  • 2 Moosa, M.Y.H., Jeenah, F.Y., 2009, S.72-75
  • 3 Vgl.: Moosa, M.Y.H., Jeenah, F.Y., 2009, S.72-75
  • 4 Vgl.: Moosa, M.Y.H., Jeenah, F.Y., 2009, S.74
  • 5 Vgl.: Steinert, T., 2011
  • 6 Vgl.: Steinert, T., 2011
  • 7 Es wird in diesem Fall mit den Ergebnissen von 2011 argumentiert, da die Literaturrecherche ergab, dass die Ergebnisse der neuen Pflegequalitäts
  • 8 Vgl.: Schönherr, S., et al., 2011, S.36-38