O D E R ; „Nehmen Sie bitte noch Ihre Tablette, die ist g u t für Sie“

Nach aktuellen Erkenntnissen v e r k ü r z e n alle Neuroleptika die Lebensdauer dementer Patienten.

Und wenn die Tablette ein Neuroleptika ist?
Und wenn es, sagen wir mal „Risperdal“ ist?
Sicherlich haben Sie diesen Spruch auch schon oft gehört und vielleicht haben Sie sich dann auch gefragt, … stimmt dass denn eigentlich?
Sind Neuroleptika (gerade in der Langzeittherapie) denn wirklich „gut“?
Neuroleptika, auch Antipsychotika oder Nervendämpfungsmittel, wirken psychotischen Symptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen entgegen. Gleichzeitig haben sie oft eine beruhigende, dämpfende Wirkung.
Neuroleptika werden vor allem bei schizophrenen Erkrankungen eingesetzt, und zwar sowohl zur Linderung der akuten Symptome als auch als Langzeitbehandlung, um Rückfälle zu verhindern. Weiterhin kommen sie bei Manien und schizoaffektiven Erkrankungen zum Einsatz.
Daneben werden Neuroleptika auch bei organisch bedingten psychischen Störungen und D e m e n z e n verordnet, bei denen es zu Verwirrtheitszuständen und starker Unruhe kommt.
Neuroleptika beeinflussen den Stoffwechsel des Botenstoffs Dopamin. Sie führen dabei zu einer Blockade der Rezeptoren für Dopamin im Gehirn, so dass der Botenstoff an der Empfängerzelle (der postsynaptischen Nervenzelle) keine Wirkung entfalten kann.
Die „atypischen“ Neuroleptika können zu massiver Gewichtszunahme führen. Damit steigt nicht nur das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern auch das Risiko von Schlaganfällen.
Nach aktuellen Erkenntnissen v e r k ü r z e n alle Neuroleptika die Lebensdauer dementer Patienten.
Ein Bericht aus Großbritannien enthält folgende schockierende Berechnung:
Wenn 1.000 Patienten mit Demenz wegen Verhaltensstörungen zwölf Wochen lang atypische Neuroleptika einnehmen, führt das bei 91 bis maximal 200 von ihnen zu einer (geringen) Besserung.
Anderseits s t e r b e n etwa 10 Patienten zusätzlich und 18 Patienten erleiden einen Schlaganfall, der bei jedem Zweiten schwer ist. Dehnt man den Behandlungszeitraum auf zwei Jahre aus, kommen Hochrechnungen auf bis zu

1 6 7   z u s ä t z l i c h e   T o d e s f ä l l e .

Der Nutzen dieser Psychopharmaka bei Demenzkranken ist also gering, der Schaden groß. Erstaunlich ist, dass trotzdem der größte Teil der Ärzte und des Pfegepersonals meint, Neuroleptika würden in dieser Situation gut helfen. Gleichzeitig sind aber dieselben Fachleute der Ansicht, vor allem nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren seien bei diesen Patienten angebracht.
Risperidon (Risperdal) ist ein ‚atypisches‘ Neuroleptikum, das die Lebensqualität erhöhen und die Reintegration ins gesellschaftliche Leben erleichtern soll. »Zurück ins Leben«, »Anna ist wieder da«, so oder ähnlich lauten die Werbesprüche.
In der Medical Tribune vom 26. Mai 2000 lobte der Hamburger Psychiater Dieter Naber Risperidon als »gut verträgliches Medikament« (Naber 2000). Just am gleichen 26. Mai 2000 wurden in Philadelphia der Psychiatriebetroffenen Elizabeth Liss 6,7 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld zugesprochen, zahlbar vom behandelnden Psychiater. Frau Liss war nach vierzehnmonatiger Verabreichung von Risperdal an tardiver Dyskinesie erkrankt, Unterform tardive Dystonie in Form von Krämpfen der Gesichts- und Nackenmuskulatur (vgl. Breggin 2000).
Clozapinartige Neuroleptika stehen generell unter Verdacht, insbesondere vegetative Störungen wie Neuroleptische Maligne Syndrome, Bauchspeicheldrüsen- und Leberstörungen zu produzieren.
Also wie war nochmal der Spruch, denn man so oft bei der Gabe der Medikamente hört?
Sie müssen noch Ihre Tabletten nehmen, die sind wichtig.
Müsste es nicht ab und zu lauten:
Nehmen Sie das Zeug bloß nicht, wir sprechen nochmal mit ihrem Arzt darüber.