Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen

Absicherung ohne Anwendung von freiheitsentziehenden Maßahmen am Beispiel des Niederflurbettes Impulse 400 der Betten Malsch GmbH.
Absicherung ohne Anwendung von freiheitsentziehenden Maßahmen am Beispiel des Niederflurbettes Impulse 400 der Betten Malsch GmbH.

Pflegebetten sind oft von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Vermeidung von FEM geht, denn oft finden FEM ja zu den Bettzeiten, also direkt im Bett statt. Hier ist an erster Stelle das Bettgitter zu nennen, gefolgt von Gurtsystemen die den Betroffenen daran hindern sollen, selbstständig das Bett zu verlassen.

Die Möglichkeiten ein Bettgitter durch eine andere Maßnahme zu substituieren sind zahlreich entwickelt worden. Als Grund für die Anwendung eines Bettgitters wird häufig die Gefahr durch einen Sturz oder das Herausrollen aus dem Bett und dadurch wiederum entstehende Verletzungen, wie Frakturen, genannt. Doch zahlreiche Alternativen schaffen Abhilfe:

Niederflurbetten/Niedrigbetten

Zum einen gibt es die Niederflurbetten oder auch Niedrigbetten welche bis auf ein Niveau kurz über dem Boden hinab gesenkt werden können, so dass ein Bewohner, welcher nachts aus dem Bett rollt nicht tief fallen kann, sondern lediglich einige Zentimeter herabrollt. Häufig wird ein Niederflurbett mit einer davorgelegten Matratze kombiniert, so dass der Bewohner selbst unter Umständen gar nicht mitbekommt, dass er soeben aus dem Bett gerollt ist.(1) Bei einem Niederflurbett ist jedoch unbedingt zu beachten, dass es eine FEM darstellen könnte, wenn der Bewohner zwar aus einem normalhohen Bett aussteigen, aber nicht aus einem Niederflurbett aufstehen könnte. (2)

Schwimmnudeln

In vielen Einrichtungen, kommen zudem sogenannte Schwimmnudeln zum Einsatz, welche an der Bettkante unter der Matratze festgesteckt werden um dort eine kleine Erhöhung zu bilden, die den Bewohner zwar am Herausrollen, nicht aber am willentlichen Aufstehen hindert.

Signalsysteme

Des Weiteren wurden verschiedene Signalsysteme entwickelt, um es den Pflegekräften zu ermöglichen Bewohnern schneller zu Hilfe kommen, oder Bewohner mit Hinlauftendenzen zügig wiederfinden zu können.
Es gibt zwei wesentliche Gruppen von Signalsystemen, die Alarmier-Systeme und die Systeme zur Standortbestimmung. Erstere sind nicht genehmigungspflichtig und geben ein (akustisches) Signal an die Pflegekräfte, sobald ein Bewohner entweder versucht einen bestimmten Bereich zu verlassen oder aufzusuchen, wenn er seine Position und Lage in Bett oder Zimmer ändert, oder eine bestimmte Tür geöffnet wird. Dazu gehören Sensormatten vor dem Bett, welche die Pflegekräfte alarmieren, sobald der Patient auf sie tritt oder fällt, sowie Lichtschranken an Eingängen und elektronische Chips im Schuh, die keinerlei GPS-Funktion haben.(3) Systeme mit GPS-Funktion gehören zur zweiten Kategorie der Signalsysteme, sind genehmigungspflichtig und meistens in Kleidung, Schuhen oder speziellen Armbändern untergebracht. Sie ermöglichen es dem autorisierten Personal die Wegroute eines Bewohners zu rekonstruieren oder seinen Standort zu ermitteln. Durch Bewegungsmelder aktivierte Lampen fallen nicht eine dieser genehmigungsrelevanten Kategorien.(4) Obwohl nicht alle Methoden als FEM klassifiziert werden, diskutieren Experten die moralischen und ethischen Aspekte dieser. Obwohl Signalsysteme keine körpernahen FEM sind, mindern sie doch zeitweise die persönliche Freiheit des Bewohners indem sie ihn und seine Bewegungen überwachen. Wenn als Folge des Signals der Bewohner daran gehindert wird die Einrichtung zu verlassen oder gegen seinen Willen dazu gebracht wird, wieder ins Haus zu kommen, ist das durchaus als FEM zu werten. (5)

Alternativen zur Anwendung im (Roll)stuhl

Um eine Kippen oder Rutschen aus einem Stuhl oder Rollstuhl heraus zu verhindern, können Rollen, Sitz,- oder Keilkissen angewandt werden. Diese verändern die Position des Sitzenden so, dass sein Schwerpunkt sich etwas nach hinten verlagert und das nach vorne Kippen dadurch erschwert, bzw. sehr unwahrscheinlich gemacht wird. Auch können Antirutschmatten für die Sitzfläche des Stuhles verwendet werden, so dass der Betroffene nicht vom Stuhl oder aus dem Rollstuhl rutschen kann, da die Reibung innerhalb der Schichten der Rutschmatte dieses verhindert. (6)

  • 1  Vgl.: Köpke, S., et al., 2015, S.45-46
  • 2  Vgl.: Köpke, S., et al., 2015, S.46
  • 3  Vgl.: Köpke, S., et al., 2015, S.48
  • 4 Vgl.: Köpke, S., et al., 2015, S.48
  • 5 Vgl.: Köpke, S., et al., 2015, S.48
  • 6 Vgl.: König, J., Schibrowski, M., 2013, S.89

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